AI und Amen: Wie spirituell kann Künstliche Intelligenz sein?

15.05.2025 | Erzdiözese Freiburg organisiert Panel auf Berliner Digitalkonferenz

Freiburg/Berlin. Künstliche Intelligenz erobert immer weitere Bereiche des Lebens. Was passiert, wenn KI auf Fragestellungen aus Religion und Spiritualität trifft? Auf der diesjährigen re:publica in Berlin geht die Veranstaltung „AI und Amen: Wie spirituell kann Künstliche Intelligenz sein?” dieser Frage auf den Grund. Die Expertinnen und Experten unterschiedlicher Disziplinen werfen einen kritischen Blick auf das Verhältnis von KI und Spiritualität. Sie fragen, ob Algorithmen spirituelle Erfahrungen ermöglichen oder authentisch abbilden können, wo dabei die ethischen und theologischen Grenzen liegen und was eine möglicherweise spirituelle KI für die Gesellschaft bedeuten kann. Und sie beschäftigen sich mit den Möglichkeiten der KI in der elementarsten Suche aller Menschen: der Sinnsuche.
 
Die Philosophin Claudia Paganini, Spezialistin für Medienethik und digitale Anthropologie, forscht zu den Auswirkungen neuer Technologien auf religiöse Vorstellungen. In ihrem im Mai erschienen Buch „Der neue Gott : Künstliche Intelligenz und die menschliche Sinnsuche“ sagt sie zu Künstlicher Intelligenz: „Erstmals erschafft der Mensch einen Gott, statt ihn nur zu denken. Die KI übernimmt zunehmend, was einst der Religion vorbehalten war: Sinnstiftung, Orientierung und allzeit verfügbare Antworten. Wir beten nicht mehr, wir klicken.“
 
Nathanael Liminski, Minister für Bundes- und Europaangelegenheiten, Internationales sowie Medien des Landes Nordrhein-Westfalen und Chef der Staatskanzlei, bringt die Perspektive der Medienpolitik und der ethischen Verantwortung im digitalen Raum ein. Er sagt: „Spiritualität und Künstliche Intelligenz können eine wirkmächtige Verbindung eingehen – darin liegt Potential, etwa bei Chatbots, die individuell auf Gläubige eingehen und sie begleiten. Gleichzeitig gehen mit dieser Verbindung auch Risiken einher, zum Beispiel durch Gurus, die KI zur ideologischen Einflussnahme und Bindung missbrauchen. Religiöse wie staatliche Instanzen stehen vor der Herausforderung, Grundsätze für eine ethisch vertretbare, mit der Menschenwürde vereinbare Nutzung von KI zu entwickeln. Transparenz, Inklusion, Rechenschaftspflicht, Unparteilichkeit, Zuverlässigkeit, Sicherheit und Datenschutz sind zentrale Gesichtspunkte. Im optimalen Fall greifen die Regelungen von Staat und Religionsgemeinschaften reibungslos ineinander.“
 
Der Theologe Lukas Brand beschäftigt sich im „Algorithm Accountability Lab“ an der TU Kaiserslautern unter anderem mit der praktischen Implementierung von KI-Systemen im gesellschaftlichen Kontext und deren ethischen Implikationen. Er hat beobachtet, dass Menschen sehr schnell bereit sind, mit künstlichen Intelligenzen bzw. Computern über ihre tiefsten Probleme, Empfindungen und Gefühle zu sprechen.
 
Moderiert wird die Diskussion von der BR-Journalistin und Moderatorin Daniela Olivares, die ihr Handwerk an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt gelernt hat.
 
Die Veranstaltung wurde von der Stabsstelle Kommunikation und Medien der Erzdiözese Freiburg und dem Katholischen Rundfunkreferat NRW und dem Verlag Herder initiiert und organisiert. Michael Hertl, Leiter der Freiburger Stabsstelle, nennt die Gründe: „Zum einen wollen wir im digitalen Raum ein Bewusstsein dafür schaffen, dass ein Mensch mehr ist als ein Konglomerat von Molekülen, und dass neue technische Entwicklungen auch eine transzendente Dimension haben können. Zum anderen wollen wir mit der Veranstaltung deutlich machen, dass die Kirche auch in ganz aktuellen Fragestellungen der Gesellschaft eine relevante Stimme ist.“
 
Hinweis: Die Veranstaltung in Berlin beginnt am 27.05. um 16:15 Uhr. Veranstaltungsort ist die „Station”, Luckenwalder Straße 4-6 (am Gleisdreieck).
 
(mh)