Wir haben Lust auf Zukunft!
01.06.2025 |
Woche für frische Formen von Kirche gibt Schubkraft nach vorne
Vom 22. Mai bis 26. Mai 2025 fand in der Erzdiözese Freiburg die Woche „Lust auf Zukunft“ statt. In Theorie und Praxis ging es um frische Formen von Kirche, die schon an vielen Orten in der Erzdiözese Freiburg lebendig sind. Aber auch um Ideen für Neues und Innovatives. Insgesamt 200 Menschen versammelten sich in den Hauptveranstaltungen. Vor Ort machten Engagierte ihre Aktionen auf einer Plattform sichtbar.
Der Sehnsucht folgen
Der digitale Auftakt am 22. Mai stellte thematisch die „Neulandsehnsucht“ an den Anfang, denn Sehnsucht und kreative Unzufriedenheit mit dem Status Quo sind die Motoren für Innovation. Im ersten Austausch unter den 60 Teilnehmenden wurden Worte wie „Lebendige Kirche“, „Weltoffenheit“, „Solidarität“ als Sehnsucht für eine zukünftige Kirche benannt. Einige Teilnehmende benannten ihre Sehnsucht nach Reformen in der Kirche, wie dies in der vergangenen Woche auch 9 Theologiestudentinnen ausgedrückt hatten, indem sie sich am Freiburger Priesterseminar für das Priesteramt beworben haben.
Mutigen Macher:innen standen im Mittelpunkt der Überlegungen: In seinem Vortrag entfaltete Felix Goldinger, Leiter der Stabstelle Innovation und Transformation im Bistum Speyer, den Begriff „Kirchenpionier:in“. Dies sind die Menschen, die Neues und Lebendiges ermöglichen und das Evangelium missionarisch mit neuen Orten und Menschen in Kontakt bringen. „Es gibt Pioniere, die traditionelle Formen an neuen Orten fortführen oder diese Formen jeweils anpassen oder Personen, die neue Formen für neue Kontexte erfinden. Alle Pioniertypen sind wichtig und gleichwertig,“ hält Goldinger fest. „Die Frage ist, welche Berufung spürst du selbst?“
Vier Praxisbeispiele aus der Erzdiözese Freiburg machten den Theorieteil anschaulich: Die Kirche im Nationalpark, die in der Natur Gottes Gegenwart feiert und entdeckt, das Gartenprojekt des Familienzentrums St. Konrad in Freiburg, die Headbangers‘ Church – eine Kirche für Metalfans - in Obergrombach und das erlebnispädagogische Projekt Wiese im Odenwald.
Zum Abschluss entstand durch den Improvisationsmusiker Jakob Reinhardt live eine musikalische Zusammenfassung des Abends.
Zukunft gestalten mit Methode
In engagierter und sehr kreativer Runde wurden am Workshop-Tag am 23. Mai mit Design Thinking und Effectuation innovative Methoden erprobt. Die 11 Teilnehmenden des Workshoptages in Rastatt stellten sich der Herausforderung, Prototypen (erste Lösungsmodelle) zu unterschiedlichen Herausforderungen in der Pastoral zu entwickeln. Und das mit Spaß und Erfolg. „Es ist herausfordernd, sich in ganz kurzer Zeit zu einigen und von manchen Ideen auch schnell wieder zu trennen, aber mich hat überrascht, dass wir in überschaubarer Zeit zu etwas Gutem und wirklich Anwendbarem gekommen sind“, so eine Teilnehmende.
Inspirationstag für mobile Kirchen in Freiburg
80 Menschen versammelten sich am Samstag in Freiburg zum Inspirationstag für mobile Formen und innovative Wege kirchlicher Präsenz im öffentlichen Raum. Der Tübinger Theologe Prof. Dr. Michael Schüßler betonte dabei: „Gott hat nicht die Kirche oder den Glauben oder die Religion erschaffen, sondern die ganze Welt.“ Kirche entstehe demnach überall dort, wo Menschen sich auf das Leben einlassen und sich vom Evangelium überraschen lassen.
Praktische Beispiele lieferten mobile Initiativen wie die „Schäferwagenkirche“, das „ChurchBike“, Sancta Carla oder das Caféprojekt „Doppellecker“ von Michel Malcin. Malcin schilderte eine Erfahrung aus seinem Projekt: „Beim gemeinsamen Kaffee und Zuhören öffnet sich manchmal der Himmel – ganz unverhofft.“ Workshops führten die Teilnehmenden in die Freiburger Innenstadt, wo lebendige Begegnungen mit Passanten stattfanden – etwa durch eine mobile Küche oder das Spielmobil mit biblischen Geschichten.
Den Abschluss bildete eine Versammlung im Stühlinger Park, einem sozialen Brennpunkt in Freiburg. Dort kocht Nathan Thurow mit seinem „New Heart Projekt“ regelmäßig Suppe für Bedürftige. Für Tobias Aldinger, Referent für Glaubenskommunikation, liegt in dieser Offenheit eine große Chance: „Wenn uns als Kirche der Raum nicht gehört und wir wie alle anderen im öffentlichen Raum zu Gast sind, dann öffnen sich Räume für eine Begegnung auf Augenhöhe.“ Die Veranstaltung verdeutlichte eindrücklich, Kirche ist nicht an Gebäude gebunden, sondern wird dort lebendig, wo Menschen sich begegnen – auf der Straße, im Park oder am Kochtopf. Kirche lebt von denen, die den Mut haben, neue Wege zu gehen.
"Lust auf Zukunft – Praxis trifft Theologie": 50 Teilnehmende diskutieren über eine experimentierfreudige Kirche
Am 26. Mai 2025 fand der Online-Abend „Hinaus ins Freie! Experimentierfreudige und risikoaffine kirchliche Praxis“ mit rund 50 engagierten Teilnehmenden statt. Der Impulsvortrag von Prof. Dr. Wolfgang Beck von der Theologischen Hochschule in Frankfurt – St. Georgen eröffnete neue Perspektiven auf eine Kirche, die sich als lernende Organisation versteht und nicht länger vorgibt, alle Antworten auf alle Fragen zu kennen. In Resonanzrunden, Kleingruppengesprächen und der abschließenden Diskussion wurde deutlich: Theologie wird lebensdienlich, wenn sie sich dem Risiko des Nichtwissens aussetzt. Dr. Christine Feld vom Institut für Pastorale Bildung fasst ihre Erkenntnis so zusammen: „Für mich war ein echtes Aha-Erlebnis, dass Kirche sprachlos werden muss, um wieder Neues zu entdecken – sie muss aufhören, alles besser wissen zu wollen, und stattdessen mehr Vertrauen in den Heiligen Geist haben und den Mut, wirklich zu lernen.“
Die Veranstaltung machte Mut zur Weiterentwicklung kirchlicher Praxis – im Geist der Offenheit, des Zuhörens und der gemeinsamen Suche nach einem tragfähigen Christsein in einer sich wandelnden Welt.
Aufbruch und Bewegung an vielen Orten im Bistum
„An vielen Orten in der Erzdiözese passieren täglich lebendige, menschennahe und geistvolle Initiativen,“ betont Laura Müller vom Erzbischöflichen Seelsorgeamt. Dies bildete die digitale Plattform ab, auf der sich Engagierte eintragen konnten: So fanden in der Woche z.B. eine dialogische Liturgie „Wort und Wandlung“ im Kirchen_frei_raum Projekt Villingen statt, und ein kreatives Gottesdienstformat Art & Spirit in Hemsbach. Der Poetry Talk in Konstanz erreichte Menschen, die keinen Kirchenbezug haben. Die erste Wohnmobil-Wallfahrt in Ketsch war ein Erfolg. Der Quellenweg im Dekanat Tauberbischofsheim ist ein gelungenes Beispiel für lebendige Initiativen auch im ländlichen Raum.
Wer rund um das Thema von neuen Formen von Kirche auf dem Laufenden bleiben möchte, melde sich beim Newsletter der Gründergeist Bewegung an. Gründergeist ist die ökumenische Bewegung für Kirchenpioniere in Baden-Württemberg und der Pfalz.














