Achern. Bei einem Festgottesdienst in der Kirche Unserer Lieben Frau in Achern hat Erzbischof Stephan Burger das 200-jährige Bestehen der Kirche gewürdigt. Erzbischof Stephan Burger hat in seiner Predigt am Beispiel der Acherner Kirche auf die Notwendigkeit des Wandels hingewiesen. Zudem machte er deutlich, worum es im christlichen Glauben zuallererst geht – und was weniger wesentlich ist.
„Veränderung gehört zum Wesen der Kirche“
Der Erzbischof nannte drei Gründe, warum sich der Mitgliederschwund in den Gemeinden zuletzt so drastisch entwickelt hat: die Skandale in der Kirche, der seit Corona abnehmende gesellschaftliche Zusammenhalt und die Schwierigkeit der Glaubensvermittlung an die kommende Generation. Mit dem Projekt „Kirchenentwicklung 2030“, das im Erzbistum in der Umsetzung ist, soll gegengesteuert werden. Der Erzbischof führte aus, hauptberufliche pastorale Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und die Priester sollten sich „wieder verstärkt der Seelsorge widmen können, ohne ihre Kraft in Verwaltungsangelegenheiten stecken zu müssen“.
Veränderungen in Struktur, Verwaltung und pastoraler Arbeit seien keine Ausnahmen, sondern gehörten zur Entwicklung der Kirche. Dafür stünde exemplarisch das 200 Jahre alte Kirchengebäude in Achern. Bevor die heutige Liebfrauenkirche anstelle der Liebfrauenkapelle gebaut werden konnte, musste zuvor etwas zugrunde gehen. Das notwendige Baumaterial wurde unter anderem aus der Klosterruine in Allerheiligen gewonnen sowie durch den Abbruch des baufälligen Johanneskirchleins in Oberachern. „Wenn es um die endgültige Abwicklung, sprich um den Abriss geht, sind immer auch Emotionen im Spiel“, sagte der Erzbischof, das sei heute nicht viel anders. Doch trotz aller Verharrungskräften: „Alle Schwierigkeiten konnten die Entwicklung und die Notwendigkeit der Veränderung nicht aufhalten.“
Die Entwicklung stehe heute im Unterschied zu damals unter anderem Vorzeichen. Damals sei die Kirche mit ihrer pastoralen Arbeit im Aufschwung gewesen – während wir heute die gegenläufige Tendenz erlebten. Doch „wie sich dazu verhalten?“, fragte der Erzbischof. Weder Jammern und Klagen, seien angesagt, noch Depression oder Resignation. „Sondern das alleinige Vertrauen in die Gegenwart Gottes, der allein weiß, was uns letztlich zum Guten dient.“ Gemäß dem Jesus-Wort bei der Heilung der zehn Aussätzigen: „Steh auf und geh! Dein Glaube hat dich gerettet.“
Maria als Vorbild für Glauben und Vertrauen
Als weiteres Beispiel, wie den Widrigkeiten der Zeit im christlichen Sinn zu begegnen ist, führte der Erzbischof die Gottesmutter Maria an, nach der die Kirche in Achern benannt ist. Ihr Glaube sei „ein Vorbild, dem wir nacheifern sollten“. „Es sind nicht einzelne Kirchengebäude, mit denen unser Glaube steht oder fällt“; es seien nicht die Strukturen; es seien nicht die Skandale; es seien nicht die Zeitumstände und was sonst alles daran hindere, als Christenmenschen zu leben. „Nein, letztlich ist es die Frage nach unserem ganz persönlichen Glauben und Vertrauen in den Gott Jesu Christi.“
(asc)







