1300 Jahre Klostergründung Gengenbach

19.10.2025 | Erzbischof Burger predigt am Kirchweihsonntag

Gengenbach. Zum Kirchweihfest hat Erzbischof Stephan Burger die Messe gefeiert. Anlass des Festgottesdienstes in der Stadtkirche St. Marien war die vor 1300 Jahren erfolgte Gründung des Klosters Gengenbach durch den hl. Pirmin. In seiner Predigt nannte der Erzbischof Gründe für den zunehmenden Bedeutungsverlust der Kirche in Deutschland und verwies zugleich auf das Fundament, auf dem sie „unsere Zukunft bauen und gestalten“ könne.

Glückliches Leben ohne religiöse Bindung

„Die Skandale der Vergangenheit haben zu einem Vertrauens- und Glaubwürdigkeitsverlust geführt“, führte der Erzbischof aus. Auch führe ein „säkulares Weltverständnis“ dazu, dass das Evangelium, der Glaube an die Sakramente und die Hoffnung auf die Barmherzigkeit Gottes nicht mehr als gängiger „Rückhalt für ein sinnerfülltes Leben“ dienten. Die Mehrheit der gesamtdeutschen Bevölkerung gehöre keiner der beiden großen christlichen Konfessionen mehr an, daher sei nicht davon auszugehen, dass christliche Grundwerte von der Allgemeinheit unhinterfragt akzeptiert würden. Viele machten die Erfahrung, „dass es ein gutes, glückliches und gelungenes Leben geben kann, ohne religiös gebunden sein zu müssen“.
 
Wozu also, fragte der Erzbischof, „die Erinnerung an eine 1300-jährige Vergangenheit eines Klosters und an eine Kirche als Glaubensgemeinschaft, die sich in der öffentlichen Wahrnehmung immer mehr zu erübrigen scheint“? Burger verwies auf den Timotheus-Brief: „Mein Sohn, bleibe bei dem, was du gelernt und wovon du dich überzeugt hast“, nämlich die „heiligen Schriften, die dich weise machen können zum Heil durch den Glauben an Christus Jesus“. Auch heute könnten Menschen „die Erfahrung der Zuversicht und der Hoffnung, ja der Gewissheit“ machen, „sich einem Gott anbefohlen zu wissen, der will, dass unser Leben gut wird und gelingt“.

Gott schafft den Unterdrückten Recht

Gott ziehe Menschen in sein Heilshandeln ein, sagte der Erzbischof, was seine Menschwerdung in Jesus Christus deutlich zeige. Es sei nun auch am Menschen, die Liebe Gottes in Wort und Tat weiterzugeben – so wie es der hl. Pirmin mit der Gründung des Klosters Gengenbach getan habe. Doch viele rängen mit Gott, hätten Fragen an ihn, weil „wir so vieles an Leid und Not nicht verstehen“.
 
Manche Entwicklungen ängstigten ihn, sagte der Erzbischof: „Wohin führt uns die Künstliche Intelligenz? Wie entwickelt sich ein Weltfrieden oder eher ein Weltenbrand, wenn wir nach der Ukraine schauen, nach Gaza, Syrien, den Libanon, Sudan, Kongo, Nigeria usw.? Wie soll das alles weitergehen? Was heißt das für weitere künftige Migrationsbewegungen? Kommt nach Solidarität und Weltoffenheit der vergangenen Jahrzehnte in Europa nun eine neue Phase der Abschottung und Ausgrenzung? Wie kann es geschehen, dass nach den Erfahrungen des Zweiten Weltkrieges nun wieder ein völkisch-nationales Denken fröhliche Urständ feiert? Der Antisemitismus wieder hoffähig wird?“ Der Erzbischof hielt diesen Ungewissheiten eine Botschaft entgegen, „nämlich dass Gott letztendlich all den Bedrängten und Unterdrückten Recht verschafft!“
 
Auf diesem Fundament dürfe die Kirche „unsere Zukunft bauen und gestalten“, sagte der Erzbischof. „Dazu werden weiterhin Veränderungen und Weiterentwicklungen gehören, unsere Kirchenentwicklung 2030 ist dabei nichts anderes.“ Sie diene dem Zweck, Glaubensleben und Glaubensweitergabe zu ermöglichen, damit „der Menschensohn, wenn er kommt, den Glauben auf der Erde“ findet – eine Hoffnung, die im Lukas-Evangelium (18,8) angesichts aller Sorgen thematisiert wird.
 
(asc)