Freiburg. Wie viel Zufriedenheit steckt in unserer Arbeit? Dieser Frage gingen die Südbadischen Sozialtage 2025 nach, die Anfang Oktober in Freiburg eröffnet wurden. Unter dem Motto „macht.arbeit.zufrieden.“ setzten sich Betriebsseelsorge und Katholische Arbeitnehmerbewegung (KAB) mit der Bedeutung von Würde, Beteiligung und Sinn in der Arbeitswelt auseinander.
„Arbeit kann nur dann zufrieden machen, wenn sie Würde wahrt und Beteiligung ermöglicht“, betonte Dorothee Dombrowsky von der Betriebsseelsorge Freiburg zur Eröffnung. Prof. Claas Lahmann (Freiburg) ergänzte, dass Zufriedenheit entsteht, wenn Menschen Autonomie erleben, Anerkennung erfahren, Sicherheit spüren und Gerechtigkeit erfahren.
Vielfalt der Arbeitswirklichkeiten
Über 20 Veranstaltungen im gesamten Raum Südbaden machten die Vielfalt von Arbeitswirklichkeiten erlebbar. In der Fotoausstellung „Was braucht’s, dass ich bei meiner Arbeit zufrieden bin?“ zeigte Fotograf Jojo Schwitzkowski Menschen verschiedener Berufe – ihre Gesichter und Geschichten erzählten von Wertschätzung, Sinn und Freiheit.
Auch internationale Perspektiven kamen nicht zu kurz: Das Theaterstück „Once We Had A Dream“ der philippinischen PREDA Youth Group thematisierte Kinderrechte, Menschenhandel und globale Verantwortung. „Es zeigt, dass Arbeit und Würde weltweit zusammengehören“, sagte Stefan Falk von der Betriebsseelsorge Ortenau.
Würde und wirtschaftliche Strukturen
Wie eng Würde und wirtschaftliche Strukturen miteinander verknüpft sind, wurde in Film- und Lesungsveranstaltungen deutlich. Der Dokumentarfilm „The Pickers“ über Erntehelferinnen in Südeuropa und die Lesung „Ganz unten im System“ mit Autor Sascha Lübbe beleuchteten Ausbeutung in Landwirtschaft und Logistik. Im anschließenden Austausch mit Journalist Jonas Seufert und Gewerkschaftsvertreterinnen ging es um faire Bedingungen entlang europäischer Lieferketten – eine eindrückliche Verbindung von Realität, Politik und persönlicher Verantwortung.
Gemeinwohl und Verantwortung
Im Haus des Engagements Freiburg standen Gemeinwohl-Ökonomie und Verantwortungseigentum im Fokus. Vertreterinnen und Vertreter aus Wirtschaft, Kirche und Zivilgesellschaft zeigten, dass unternehmerischer Erfolg und soziale Verantwortung zusammengehen. „Arbeit wird dann erfüllend, wenn Werte, Verantwortung und Sinn im Mittelpunkt stehen“, lautete der Tenor.
Kreative und spirituelle Formate
Auch kreative und spirituelle Formate prägten die Sozialtage: Beim Tanzkurs zum Feierabend entdeckten junge Arbeitnehmende neue Energie, der Oasentag „Sinn und Glück“ stärkte Pflegekräfte in Selbstfürsorge. Beim Poetry Slam „macht.arbeit.zufrieden.“ begeisterten Marina Sigl, Adrian Mulas, Antonia Prasser und Karsten Hohage mit Texten über Hektik, Humor und Haltung.
Der „FeierAbend-Gottesdienst „zum Tag der seelischen Gesundheit verband Spiritualität, Arbeit und Lebensmut. Die inklusive Theatergruppe Schwere(S)Los! berührte mit Szenen zu Mobbing und psychischer Erkrankung und ermutigte, offen über seelische Belastung zu sprechen. „Es ist erschreckend, wie sehr Menschen nach ihrer ‚Leistung‘ im (Arbeits-)Leben beurteilt werden“, sagte Renate Buchgeister (KAB Freiburg). „Am Ende stehen viele gedemütigt und ohnmächtig alleine da.“
Arbeit als Ausdruck von Würde
Zwei Wochen lang zeigten die Südbadischen Sozialtage: Arbeit ist mehr als Broterwerb – sie ist Ort der Begegnung, Quelle von Sinn und Prüfstein gesellschaftlicher Gerechtigkeit. Rund 600 Personen nahmen an den Veranstaltungen teil.
„Wir müssen Missstände sichtbar machen und zugleich Mut machen, Dinge zu verändern“, fasste Dorothee Dombrowsky zusammen. Renate Buchgeister ergänzte: „Es geht um Teilhabe und Solidarität – darum, dass alle Menschen eine Stimme in ihrer Arbeitswelt haben.“ Und Stefan Falk brachte es auf den Punkt: „Zufriedenheit in der Arbeit braucht faire Strukturen, offene Ohren – und das Bewusstsein, dass der Mensch das Maß ist.“
Hintergrund
Die Südbadischen Sozialtage 2025 fanden vom 7. bis 19. Oktober unter dem Motto „macht.arbeit.zufrieden.“ statt. Veranstalterinnen und Veranstalter waren der Fachbereich Betriebsseelsorge Freiburg, die Katholische Arbeitnehmerbewegung (KAB) sowie zahlreiche Partner aus Gewerkschaften, Bildung, Kultur und Wirtschaft. Ziel war es, den gesellschaftlichen Dialog über Arbeit, Würde und Zufriedenheit zu fördern – über Branchen, Generationen und Weltanschauungen hinweg.
(cvl)









