Freiburg. Unter dem Titel „Aufarbeitung, Aufbau und Aufbruch“ beleuchteten Fachleute vom 6. bis 8. November 2025 im Erzbischöflichen Priesterseminar Collegium Borromaeum den südwestdeutschen Katholizismus zwischen Kriegsende und dem Zweiten Vatikanischen Konzil. Die Tagung wurde von der Katholischen Akademie in Kooperation mit dem Kirchengeschichtlichen Verein für das Erzbistum Freiburg, dem Geschichtsverein der Diözese Rottenburg-Stuttgart und der Gesellschaft für Mittelrheinische Kirchengeschichte veranstaltet.
Vertreterinnen und Vertreter theologischer Disziplinen aus den Bistümern Freiburg, Fulda, Limburg, Mainz, Rottenburg-Stuttgart, Speyer und Trier spannten den Bogen über die einstige Oberrheinische Kirchenprovinz. In seinem im Livestream übertragenen Eröffnungsvortrag zeichnete Prof. Dr. Florian Bock (Bochum) unter dem Titel „Zwischen Restauration und Aufbruch“ ein differenziertes Bild des Katholizismus der Nachkriegszeit.
In 26 Kurzvorträgen entstand ein vielschichtiges Panorama, das Gemeinsamkeiten und Unterschiede in den „langen 1950er-Jahren“ sichtbar machte. Fünf Themenblöcke – Aufarbeitung von NS und Besatzungszeit, Konfessionsschulen und Schulstreit, Caritas, Laienkatholizismus und Bewegungen – strukturierten das Programm. Dabei zeigte sich: Die Kirche verstand sich nach 1945 vielfach als „Siegerin in Trümmern“ und sah sich berufen, am Neuaufbau Deutschlands mitzuwirken. Doch neben Aufbruchsimpulsen traten bald restaurative Tendenzen zutage.
Viele Beiträge verdeutlichten, dass die Entwicklungen der Nachkriegszeit teils Anregungen für das Zweite Vatikanische Konzil gaben, teils bereits ältere Reformideen wieder aufgriffen – etwa in der Liturgischen Bewegung. Im abschließenden Kommentar betonte Prof.in Dr.in Daniela Blum (Freiburg), dass zahlreiche Aspekte der deutschen Nachkriegskirchengeschichte weiterhin Forschungsbedarf bergen, insbesondere zur Rolle der Frau und zum Verhältnis von Kirche und Staat.
Für die Katholische Akademie war die Tagung zugleich eine organisatorische Bewährungsprobe im „Exil“ des Collegium Borromaeum – die dank engagierter Zusammenarbeit und einer offenen Atmosphäre erfolgreich gemeistert wurde.
(Christoph Schmider)








